The ABC of It

Irgendwie bewege ich mich in New York wie ein staunendes Kind: mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen. Als wäre ich im Paradies für Kinderbücher angekommen. Wahrscheinlich ist das eine selektive Wahrnehmung und in Wirklichkeit interessieren sich die wenigsten Menschen um mich herum für Bilderbücher. Wobei, diejenigen die ich treffe, interessieren sich zu überraschend oft dafür.

Den ersten Tag habe ich dazu benutzt die Ausstellung in der New York Public Library anzusehen. Günstigerweise binfindet sich diese direkt am Bryant Park, den ich immer gerne besuche und auch das Confention Center für die Illustratoren ist nur ein paar Blocks weiter. Die Ausstellung The ABC of It ist ein faszinierender Rundgang in die Vielfalt von Bilderbüchern aus zwei Jahrhunderten. Bei weitem nicht erschöpfend, aber es gibt einen kurzen Einblick in eine Vielzahl von Themen. Mit Bilderbüchern beginnt unsere literarische Entwicklung und wir dürfen uns nicht wundern, wenn uns diese auch Jahrzehnte später nocht in lebhefter Erinnerung sind und uns immer noch faszinieren. Dem entsprechend steht ein Motto von W. H. Auden am Anfang der Ausstellung: There are no good books which are only for children.“

Kinderbücher boten oft Anlass für Kontroversen. Ob es nun um die individuellen Freiheiten von Kindern ging oder um staatliche Interessen bei der Erziehung. Sehr erhellend eine Aussage von Josef Stalin in einem Interview das H. G. Wells 1937 mit ihm führte: „Education is a weapon whose effects depend on who holds it in his hands and at whom it is aimed.“ Wie kommen die Büch zu den Kindern? und was wird unter der Bettdecke gelesen? Alles spannde Fragen. Ein Separee zum Thema Zensur im Kinderbuch warnt heute noch vor dem Zugang. Kinder könnten schockiert sein – oder werden eher die Erwachsenen gewarnt. Ein Bilderbuch, das ein weisses und ein schwarzes Häschen bei der Hochzeit zeigt, hat in den Südstaaten die Zensoren auf den Plan gerufen. Der Aufruf eines Senators aus Alabama zur Bücherverbrennung, wird anschaulich in einem Turm der „unerwünschten“ Kinderbücher (!) dargestellt.

Dass dabei vor allem religiös motivierte Moralapostel am Werk sind, hat schon Mark Twain zu spüren bekommen, dessen Buch „Huckleberry Finn“ von einer Bibliothek in Massachusetts als „Mist“ ausgeräumt worden ist. Sein lakonischer Kommentar an seinen Verleger: „Damit verkaufen wir 25.000 Stück mehr.“

Eine Raum zeigt einige hervorragende Künstler, u.a. ein Portait von Eric Carle. Ihn bei der Arbeit beobachten zu können und zu hören, wie er sein Buch 10 „Little Ducks“ vorträgt, ist ein absoluter Genuss. Am Ausgang traf ich den Führer der Ausstellung, der meinte, dass die Ausstellung eigentlich ja nicht für Kinder konzipiert sei. Dem hat ein Besucher heftig widerstprochen. Zu Recht. Ausstellungen über Kinderbücher sind wohl nie nur für Erwachsene interessant. Der Unterschied besteht eher darin, dass in manchen Ländern die Autoren von Kinderbüchern sich grosser Wertschätzung erfreuen können und ihre Arbeiten öffentlich präsentiert werden, während in anderen diese noch immer „klein“ geredet werden.

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